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Trockene Einstreu, weniger Ammoniak: Pflanzenkohle im Stall

Schafe auf Stroh im Stall

Inhalt

22.09.2026

Trockene Einstreu, weniger Ammoniak: Pflanzenkohle im Stall

Stallklima beginnt am Boden

Feuchte Einstreu, Ammoniak in der Luft und entzündete Fußballen gehören zu den Dauerthemen in der Geflügel- und Rinderhaltung. Pflanzenkohle wird in diesem Zusammenhang häufig als Einstreuzusatz genannt. Die Studienlage zeigt: Sie kann helfen, aber nur bei richtiger Anwendung.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eingemischt in die Einstreu senkte Pflanzenkohle Ammoniak in Laborversuchen um etwa ein Viertel bis knapp die Hälfte.
  • Lose aufgestreut zeigte sie keinen signifikanten Effekt.
  • In einem Praxisversuch mit Öko-Masthähnchen blieb die Wirkung aus, weil die Tiere die Pflanzenkohle schnell einscharrten.
  • Trockene Einstreu bleibt der wichtigste Hebel für das Stallklima.
  • Die Pflanzenkohle wandert mit der Einstreu in den Mist und weiter auf das Feld.
Lucie Töpfer, Geschäftsführerin der pyropower GmbH

Lucie Töpfer
Geschäftsführerin, pyropower GmbH

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Woher das Ammoniak im Stall kommt

Ammoniak entsteht, wenn Harnstoff aus Urin und Kot von Enzymen zersetzt wird. Je feuchter und wärmer die Einstreu, desto schneller läuft dieser Prozess. Das Gas reizt die Atemwege von Tieren und Menschen, verschlechtert das Stallklima und geht als Stickstoff für den Dünger verloren.

Pflanzenkohle kann an zwei Stellen eingreifen: Sie nimmt Feuchtigkeit auf und bindet Ammonium an ihrer Oberfläche, bevor es als Gas entweicht. Damit das funktioniert, muss sie dort liegen, wo das Ammoniak entsteht, also in der Einstreu und nicht obenauf.

−46 %
Ammoniak mit 17 % eingemischter Pflanzenkohle im Labor
0
signifikanter Effekt bei bloßem Aufstreuen
unter 35 %
Einstreufeuchte als Zielwert

Ammoniak binden

In einem Laborversuch der Poultry Science von 2024 senkten 13 und 17 Prozent Pflanzenkohle in der Broiler-Einstreu das Ammoniak um 41 und 46 Prozent. Ein weiterer Versuch von 2025 verglich Einmischen und Aufstreuen: Eingemischt sank das Ammoniak um rund 24 Prozent, aufgestreut gab es keinen signifikanten Effekt.

Zum Vergleich: Säurebasierte Einstreuzusätze wie Natriumbisulfat senkten das Ammoniak in denselben Versuchen deutlich stärker. Pflanzenkohle ist also kein Ersatz für solche Zusätze, kann aber ergänzend wirken und bringt den Kohlenstoff in den Kreislauf.

Balkendiagramm: Ammoniakminderung in der Einstreu je nach Anwendung von Pflanzenkohle und im Vergleich zu Natriumbisulfat
Eingemischt senkt Pflanzenkohle das Ammoniak spürbar. Aufgestreut wirkt sie kaum. Säurebasierte Zusätze wirken stärker, binden aber keinen Kohlenstoff.

Ein ehrlicher Praxisversuch

Die Universität Kassel hat von 2020 bis 2023 in einer Operationellen Gruppe mit rund 8.500 Öko-Masthähnchen getestet, ob Pflanzenkohle in der Einstreu in der kühlen Jahreszeit hilft. Das Ergebnis: kein messbarer Effekt auf Fußballen, Einstreufeuchte oder Ammoniak. Die Tiere hatten die Pflanzenkohle schnell in tiefere Schichten gescharrt. Die Pflanzenkohle zog zudem im Lager Feuchtigkeit.

Die wichtigste Empfehlung aus dem Projekt betrifft deshalb nicht die Pflanzenkohle, sondern die Einstreu selbst: Ihre Feuchte sollte unter 35 Prozent bleiben.

Tiefstreu und Kompostställe

In einem schwedischen Praxisbeispiel mit Mastbullen auf Tiefstreu sanken die Ammoniakemissionen mit 2,5 Prozent Pflanzenkohle bezogen auf den Mist um etwa ein Viertel. Höhere Mengen brachten keinen Zusatznutzen. Der Mist lieferte in der anschließenden Biogasanlage mehr Methan. In simulierten Kompostställen für Milchvieh sanken Ammoniak und Stickstoffverluste deutlich, allerdings nur für ein bis zwei Wochen. Die Pflanzenkohle muss also regelmäßig nachgelegt werden.

Studie im Fokus

Ein ehrlicher Praxisversuch aus Hessen

Operationelle Gruppe CAReFUL, Universität Kassel, 2020 bis 2023

  • Rund 8.500 Öko-Masthähnchen in neun Durchgängen.
  • Pflanzenkohle mit 250 Gramm je Quadratmeter alle zwei Wochen.
  • Kein Effekt auf Fußballen, Einstreufeuchte oder Ammoniak.
  • Hauptgrund: Die Tiere scharrten die Pflanzenkohle schnell in tiefere Schichten.

Hinweise für die Praxis

  • Einmischen statt aufstreuen: Die Pflanzenkohle wirkt in der Einstreu, nicht auf ihr.
  • Ausreichend dosieren: Kleine Streumengen verpuffen. Lassen Sie sich zu Menge und Intervall beraten.
  • Trocken lagern: Feuchte Pflanzenkohle verliert Aufnahmevermögen und klumpt.
  • Grundlagen zuerst: Lüftung, Tränken und Besatzdichte entscheiden über die Einstreufeuchte.
  • Kreislauf denken: Mit der Einstreu kommt die Pflanzenkohle in den Mist. Dort wirkt sie beim Kompostieren besonders gut.

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Häufige Fragen kurz beantwortet

Braucht die Einstreu eine bestimmte Menge Pflanzenkohle?

Die Versuche arbeiteten mit sehr unterschiedlichen Mengen, von einigen Hundert Gramm je Quadratmeter bis zu mehreren Prozent der Einstreu. Wirksam war die Pflanzenkohle vor allem, wenn sie in nennenswerter Menge eingemischt wurde.

Gibt es Ergebnisse für Geflügel, Rind und Schwein?

Die meisten Daten stammen aus der Geflügelhaltung. Für Rinder auf Tiefstreu gibt es Praxisbeispiele, für Schweine weniger Untersuchungen.

Lässt sich Pflanzenkohle mit anderen Einstreuzusätzen kombinieren?

Pflanzenkohle lässt sich mit anderen Einstreuzusätzen kombinieren. Säurebasierte Mittel wirken stärker gegen Ammoniak, Pflanzenkohle bringt zusätzlich Kohlenstoff in den Kreislauf.

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