Pflanzenkohle Wissen

Gutes Raumklima aus der Wand: Pflanzenkohle im Putz

Handwerker trägt Material im Spritzverfahren auf

Inhalt

15.09.2026

Gutes Raumklima aus der Wand: Pflanzenkohle im Putz

Ein alter Baustoff, neu gemischt

Lehm und Kalk gehören zu den ältesten Baustoffen. Sie gelten als diffusionsoffen und angenehm für das Raumklima. Pflanzenkohle passt gut in dieses Bild: Ihr Porennetz kann Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben, und sie bringt Kohlenstoff dauerhaft in die Wand. Forschung und Praxis zeigen, was davon heute belegt ist.

Das Wichtigste in Kürze

  • In Lehm sind hohe Anteil an Pflanzenkohlee von 20 bis 50 Prozent technisch möglich.
  • Lehm-Pflanzenkohle-Komposite erreichen Wärmeleitfähigkeiten von 0,06 bis 0,18 W/(m·K).
  • In natürlichem hydraulischem Kalk erhöhten 2 Prozent fein gemahlene Pflanzenkohle die Festigkeit.
  • Die Feuchteregulierung ist plausibel, aber bisher vor allem durch Praxisberichte belegt.
  • Für Innenräume zählt eine Pflanzenkohle mit Schadstoffanalysen.
Lucie Töpfer, Geschäftsführerin der pyropower GmbH

Lucie Töpfer
Geschäftsführerin, pyropower GmbH

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Lehm, Kalk und Pflanzenkohle: warum das zusammenpasst

Lehm- und Kalkputze sind diffusionsoffen. Sie nehmen Feuchtigkeit aus der Raumluft auf und geben sie wieder ab. Pflanzenkohle verstärkt diese Eigenschaft, weil ihr Porennetz selbst Wasser speichern kann. Gleichzeitig ist sie leicht und senkt die Wärmeleitfähigkeit des Materials.

Anders als im Beton muss ein Putz keine großen Lasten tragen. Deshalb sind hier deutlich höhere Anteil an Pflanzenkohlee möglich, in Lehm bis zur Hälfte der Mischung. Das macht Putze zu einem guten Einstieg für Hersteller und Handwerk, die mit Pflanzenkohle arbeiten wollen.

20 bis 50 %
Anteil an Pflanzenkohle in Lehm möglich
0,06
W/(m·K): niedrigster gemessener Wert für Lehm mit Pflanzenkohle
+11 %
Festigkeit von Kalk mit 2 % Pflanzenkohle nach 28 Tagen

Lehm mit Pflanzenkohle

An der Universität Innsbruck wurden Lehm-Pflanzenkohle-Komposite für die Innendämmung untersucht. Je nach Rohdichte lag die Wärmeleitfähigkeit trocken zwischen 0,06 und 0,18 W/(m·K). Mit steigender Temperatur und Feuchte nahm sie zu. Zum Vergleich: Mineralwolle liegt bei etwa 0,035. Lehm mit Pflanzenkohle ersetzt also keinen Hochleistungsdämmstoff, kann aber in der Innendämmung und als Putz einen Beitrag leisten.

In einem österreichischen Forschungsprojekt entwickeln ein Lehmbauunternehmen und die Universität Innsbruck Putze, Steine und Platten aus Lehm und Pflanzenkohle. Ziel sind Feuchtepuffer und Innendämmung in einem Material.

Balkendiagramm: Wärmeleitfähigkeit von Mineralwolle, Lehm mit Pflanzenkohle und Putzen im Vergleich
Lehm mit Pflanzenkohle dämmt deutlich besser als ein normaler Putz, erreicht aber nicht die Werte von Mineralwolle. Für die Innendämmung kann das ausreichen.

Kalk mit Pflanzenkohle

Eine Studie von 2026 hat natürlichen hydraulischen Kalk mit fein gemahlener Pflanzenkohle untersucht. Mit 2 Prozent Pflanzenkohle stieg die Druckfestigkeit nach 3 Tagen um rund 36 Prozent und nach 28 Tagen um rund 11 Prozent. Der Kalk nahm in den ersten Stunden auch mehr CO₂ auf. Ab etwa 3 bis 4 Prozent Pflanzenkohle schwächte die zusätzliche Porosität das Material.

An der ZHAW in der Schweiz wird zudem untersucht, ob kalkgebundene Putze mit Pflanzenkohle flüchtige organische Verbindungen aus der Raumluft aufnehmen. Ergebnisse sind noch nicht veröffentlicht.

Feuchte und Raumklima

Pflanzenkohle kann ein Vielfaches ihres Gewichts an Wasser aufnehmen. Praxisberichte, etwa aus einem Weinkeller im Wallis, beschreiben eine stabile Luftfeuchte mit Lehmputzen mit hohem Anteil an Pflanzenkohle. Peer-reviewte Messungen des Feuchtepuffers nach Norm für solche Putze sind bisher selten.

Das ist eine Chance für Hersteller: Wer Feuchte- und Wärmewerte nach Norm misst und veröffentlicht, kann sich mit belastbaren Daten abheben. Aussagen, die über das Messbare hinausgehen, sollten Sie dagegen vermeiden.

Studie im Fokus

Lehm-Pflanzenkohle-Komposite für die Innendämmung

Bianchi Janetti et al., Universität Innsbruck, Case Studies in Construction Materials, 2024

  • Untersucht wurden Komposite mit Rohdichten von 222 bis 610 kg/m³.
  • Wärmeleitfähigkeit trocken: 0,06 bis 0,18 W/(m·K).
  • Mit steigender Temperatur und Feuchte nahm die Leitfähigkeit um 10 bis 26 Prozent zu.
  • Einsatzziel: Innendämmung und Feuchtepuffer in einem Material.

Hinweise für Hersteller und Handwerk

  • In Lehm sind hohe Anteile möglich. Farbe, Abrieb und Verarbeitung im Muster testen.
  • In Kalk mit kleinen Anteilen um 2 Prozent fein gemahlener Pflanzenkohle beginnen.
  • Feuchte- und Wärmewerte nach Norm messen und belegen.
  • Für Innenräume Pflanzenkohle mit Schadstoffanalysen nach EBC verwenden.
  • Den Einbauort dokumentieren, wenn die Kohlenstoffbindung zertifiziert werden soll.

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Häufige Fragen kurz beantwortet

Eignen sich Putze mit Pflanzenkohle auch für außen?

Die meisten Erfahrungen gibt es mit Putzen im Innenraum, wo Feuchtepuffer und Raumklima im Vordergrund stehen. Für Außenputze sind Witterungsbeständigkeit und Abrieb genauer zu prüfen.

Ändert sich die Verarbeitung auf der Baustelle?

Putze mit Pflanzenkohle lassen sich grundsätzlich wie gewohnt verarbeiten. Die Pflanzenkohle nimmt Wasser auf, deshalb kann die Anmachwassermenge abweichen. Herstellerangaben und Musterflächen helfen.

Bleibt der Kohlenstoff im Putz dauerhaft gebunden?

Auch im Putz bleibt der Kohlenstoff gebunden, solange das Bauteil besteht. Nach EBC gelten Kalk- und Lehmputze als dauerhafte Senke, wenn der Einbauort dokumentiert ist.

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