Pflanzenkohle Wissen

Vom Stall aufs Feld: Pflanzenkohle im Wirtschaftsdünger

Traktor auf hügeligem Grünland

Inhalt

20.08.2026

Vom Stall aufs Feld: Pflanzenkohle im Wirtschaftsdünger

Wo Pflanzenkohle am meisten bewegt

Im Wirtschaftsdünger gehen auf dem Weg vom Stall aufs Feld viel Stickstoff und klimawirksame Gase verloren. Pflanzenkohle kann diese Verluste verringern, allerdings nicht überall gleich. Die Forschung zeigt einen klaren Unterschied zwischen Festmist und Kompost auf der einen und Flüssiggülle auf der anderen Seite.

Das Wichtigste in Kürze

  • Beim Kompostieren von Mist sinken Methan, Lachgas und Ammoniak im Mittel um 36 bis 54 Prozent.
  • Ab 10 Prozent Anteil an Pflanzenkohle waren die Minderungen am größten.
  • In Rindergülle zeigten bayerische Versuche keinen Vorteil, auf dem Feld sogar höhere Ammoniakverluste.
  • Die Pflanzenkohle bindet Nitrat und bringt es beladen auf den Acker.
  • Voraussetzung für die Kaskade Futter, Stall, Mist, Feld ist Futterqualität nach EBC.
Lucie Töpfer, Geschäftsführerin der pyropower GmbH

Lucie Töpfer
Geschäftsführerin, pyropower GmbH

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Wo im Wirtschaftsdünger Verluste entstehen

Im Mist und in der Gülle laufen ständig mikrobielle Prozesse ab. Dabei entstehen Ammoniak, Lachgas und Methan. Mit jedem Gas gehen Stickstoff oder Kohlenstoff verloren, die eigentlich als Dünger auf dem Feld wirken sollten. Die Verluste sind am größten bei Lagerung, Kompostierung und Ausbringung.

Pflanzenkohle kann diese Prozesse beeinflussen, weil sie Feuchtigkeit und Ammonium bindet, die Belüftung im Mist verbessert und Mikroorganismen Lebensraum bietet. Ob das wirkt, hängt stark davon ab, ob der Dünger fest oder flüssig ist.

−36 %
Ammoniak beim Kompostieren im Mittel
−94 %
Lachgas ab 10 % Pflanzenkohle in der Mischung
höher
Ammoniakverluste bei Pflanzenkohle in Rindergülle in Bayern

Festmist und Kompost: gut belegt

Eine Metaanalyse von 2025 mit 123 Studien und fast 1.200 Beobachtungen zeigt für die Kompostierung mit Pflanzenkohle im Mittel 54 Prozent weniger Methan, 50 Prozent weniger Lachgas und 36 Prozent weniger Ammoniak. Bei mehr als 10 Prozent Pflanzenkohle waren die Minderungen noch deutlich größer. Bei sehr kleinen Anteilen unter 5 Prozent stieg das Lachgas dagegen an.

Als günstige Bedingungen nennen die Autoren 10 bis 20 Prozent Pflanzenkohle in der Trockenmasse, ein C/N-Verhältnis von 20 bis 30, eine Feuchte von 55 bis 65 Prozent und einen leicht basischen pH-Wert. Eine zweite Metaanalyse mit 125 Studien kommt zu sehr ähnlichen Werten.

Balkendiagramm: Minderung von Ammoniak, Lachgas und Methan beim Kompostieren mit Pflanzenkohle, alle Versuche und Versuche mit mehr als 10 Prozent Kohle
Mit höherem Anteil an Pflanzenkohle steigen die Minderungen deutlich. Die Werte stammen aus einer Metaanalyse mit 123 Studien.

Flüssiggülle: wenig Wirkung

Für Flüssiggülle ist das Bild anders. Ein belgischer Versuch fand mit 10 Gramm Pflanzenkohle pro Liter Rindergülle in der ersten Woche 12 Prozent weniger Ammoniak. In bayerischen Projekten der LfL und der TU München mit 2,75 Prozent Pflanzenkohle in Rindergülle stiegen die Ammoniakverluste im Lager dagegen leicht, weil sich keine Schwimmdecke bildete. Nach dem Ausbringen waren sie sogar signifikant höher, weil die Gülle zäher war und schlechter einsickerte.

In Flüssiggülle allein ist Pflanzenkohle daher kein wirksames Mittel gegen Ammoniak. Sinnvoll kann sie nur in Kombination mit anderen Maßnahmen sein, etwa der Ansäuerung.

Studie im Fokus

Pflanzenkohle in Rindergülle

Projekte EmiAdditiv II und TerraBayt, LfL Bayern und TU München, 2025

  • 2,75 Prozent Pflanzenkohle in Rindergülle.
  • Im Lager leicht höhere Ammoniakverluste, weil sich keine Schwimmdecke bildete.
  • Nach dem Ausbringen signifikant höhere Verluste, weil die Gülle zäher war.
  • Kosten etwa 7,50 bis 10 Euro je Kubikmeter bei 1 Prozent Pflanzenkohle.

Der Kreislauf vom Stall aufs Feld

Die Stärke der Pflanzenkohle liegt in der Kaskade. Über Futter oder Einstreu gelangt sie in den Mist. Beim Kompostieren nimmt sie Nährstoffe auf und senkt Gasverluste. Mit dem Kompost kommt sie beladen auf den Acker, wo sie langfristig im Boden bleibt.

Damit die Pflanzenkohle alle Stationen durchlaufen darf, muss sie für die erste geeignet sein. Nach den Regeln des European Biochar Certificate darf Wirtschaftsdünger aus Fütterung, Einstreu oder Güllebehandlung mit Futterkohle als Bodenverbesserer, im Kompost, in der Biogasanlage und zur Düngerherstellung genutzt werden.

Fest oder flüssig: der Vergleich

Festmist und Kompost Flüssiggülle
Studienlage Zwei Metaanalysen mit über 120 Studien Einzelversuche mit gemischten Ergebnissen
Wirkung Deutlich weniger Ammoniak, Lachgas und Methan Schwach, teils höhere Verluste
Empfehlung 10 bis 20 Prozent Pflanzenkohle in der Mischung Nur in Kombination mit anderen Maßnahmen

Hinweise für die Praxis

  • Den größten Hebel haben Festmist und Kompost mit 10 bis 20 Prozent Pflanzenkohle.
  • In Flüssiggülle Kosten und Nutzen realistisch kalkulieren. Bayerische Versuche nennen etwa 7,50 bis 10 Euro pro Kubikmeter bei 1 Prozent Pflanzenkohle.
  • Für die Kaskade Futterqualität nach EBC wählen.
  • Lieferung und Einsatz dokumentieren, wenn die Kohlenstoffbindung später zertifiziert werden soll.

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Häufige Fragen kurz beantwortet

Lohnt sich Pflanzenkohle in der Güllegrube?

In Flüssiggülle allein zeigte Pflanzenkohle in Versuchen kaum Vorteile, teils sogar Nachteile beim Ausbringen. Sinnvoller ist der Einsatz im Festmist und im Kompost.

Rechnet sich Pflanzenkohle im Mistmanagement?

Bei Flüssiggülle nennen bayerische Versuche etwa 7,50 bis 10 Euro je Kubikmeter. Im Kompost verteilt sich die Pflanzenkohle auf weniger Masse und wirkt deutlich stärker. Dort ist das Verhältnis günstiger.

Kann der Betrieb aus dem Kreislauf Zertifikate erzeugen?

Landet die Pflanzenkohle am Ende dokumentiert im Boden, kann die Kohlenstoffbindung zertifiziert werden. Dafür zählen Lieferung, Einsatz im Betrieb und Ausbringungsflächen.

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