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Pflanzenkohle im Trog: was Fütterungsversuche zeigen

Rind liegt entspannt im Stroh

Inhalt

19.10.2026

Pflanzenkohle im Trog: was Fütterungsversuche zeigen

Ein altes Hausmittel im neuen Licht

Holzkohle wird seit Langem bei Verdauungsproblemen von Tieren eingesetzt. Heute interessiert die Landwirtschaft vor allem, ob Pflanzenkohle im Futter die Tiergesundheit unterstützt, die Futterverwertung verbessert oder sogar Methan aus dem Pansen senkt. Die Forschung der letzten Jahre gibt darauf differenzierte Antworten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pflanzenkohle ist im EU-Katalog der Einzelfuttermittel gelistet.
  • Ein Review über 112 Arbeiten sieht überwiegend positive Tendenzen, aber viele nicht signifikante Ergebnisse.
  • Bei Milchkühen zeigten Versuche in Respirationskammern keinen Effekt auf Methan.
  • Bei Ferkeln wirkten kleine Mengen rund ums Absetzen positiv, hohe Mengen negativ.
  • Ab 2027 heißt die Futterklasse nach EBC EBC-FeedPlus.
Lucie Töpfer, Geschäftsführerin der pyropower GmbH

Lucie Töpfer
Geschäftsführerin, pyropower GmbH

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Wie Pflanzenkohle im Verdauungstrakt wirken kann

Im Darm trifft Pflanzenkohle auf eine Mischung aus Futterresten, Mikroorganismen und Stoffwechselprodukten. Ihre große Oberfläche kann unerwünschte Stoffe wie bestimmte Toxine binden, die dann ausgeschieden werden. Gleichzeitig bietet sie Mikroorganismen Siedlungsfläche. Daraus leiten sich die erhofften Effekte ab: eine stabilere Verdauung, bessere Futterverwertung und gesündere Tiere.

Die Kehrseite: Die Pflanzenkohle unterscheidet nicht zwischen erwünschten und unerwünschten Stoffen. Auch fettlösliche Vitamine können gebunden werden. Deshalb kommt es auf die Dosis an, und deshalb gelten für Futterkohle besonders strenge Qualitätsanforderungen.

112
Publikationen im Review von 2019
0,5 bis 1 %
Anteil an der Ration mit positiven Effekten
0
messbarer Methaneffekt in neuen Kuhversuchen

Was Versuche zeigen

Ein umfassender Review von Schmidt und Kollegen aus dem Jahr 2019 hat 112 Publikationen ausgewertet. Die Mehrzahl berichtet positive Tendenzen bei Toxinbindung, Verdauung und Futterverwertung, viele Ergebnisse waren aber statistisch nicht abgesichert. Übliche Mengen lagen beim Rind bei 100 bis 400 Gramm pro Tag, bei Schwein und Geflügel bei 0,2 bis 1 Prozent der Ration. Ein Hinweis aus dem Review: Fettlösliche Vitamine können schlechter aufgenommen werden.

Der Landesanstalt für Landwirtschaft in Bayern verdanken wir einen gut dokumentierten Versuch mit Ferkeln. Hohe Gaben von 2 bis 3 Prozent der Ration verschlechterten Zunahmen und Futterverwertung. Kleine Mengen von etwa 1 Prozent im Absetzfutter verbesserten die Futterverwertung leicht. Die LfL empfiehlt daher nur die niedrige Dosis rund um das Absetzen.

Balkendiagramm: Futterverwertung bei Ferkeln ohne Kohle, mit hoher und mit niedriger Dosis Pflanzenkohle
Ein niedriger Wert ist besser. Die hohe Dosis verschlechterte die Futterverwertung deutlich, die niedrige Dosis verbesserte sie leicht.

Methan aus dem Pansen

Laborversuche und eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 deuteten auf eine Minderung von Methan hin. In neueren Versuchen mit Tieren zeigte sich das nicht: Am FiBL und an der ETH Zürich blieb das Methan bei Milchkühen mit 1 Prozent Pflanzenkohle in der Ration unverändert, ebenso in einem Versuch der HBLFA Raumberg-Gumpenstein mit 200 Gramm pro Tag. Auch bei Lämmern fand sich kein Effekt.

Wir werben deshalb nicht mit einer Methanminderung im Stall. Ein Nutzen bei bestimmten Rationen oder Problemsituationen ist damit nicht ausgeschlossen, aber nicht belegt.

Studie im Fokus

Milchkühe in der Respirationskammer

Dittmann et al., Animal Feed Science and Technology, 2024 (FiBL und ETH Zürich)

  • Acht Milchkühe im Crossover-Versuch, Messung in Respirationskammern.
  • Pflanzenkohle mit 1 Prozent der Trockenmasse in der Ration.
  • Kein Effekt auf Methan, Milchmenge, Futteraufnahme oder Verdaulichkeit.
  • Die Autoren schließen einen Nutzen bei kranken Tieren oder schlechten Rationen nicht aus.

Ein Beispiel aus der Geflügelhaltung

In einem Öko-Stallversuch mit über 4.000 Masthähnchen sank der Anteil der Tiere mit Fußballenläsionen mit 1 Prozent Pflanzenkohle im Futter von 56 auf 14 Prozent. Das Endgewicht lag etwas höher. Die Futterverwertung war allerdings schlechter, was die Autoren auf Futterverluste zurückführen. Interessant: Pflanzenkohle allein in der Einstreu brachte für die Fußballen in diesem Versuch keine Verbesserung.

Rechtlicher Rahmen

Pflanzenkohle ist im EU-Katalog der Einzelfuttermittel gelistet. Wer sie als Futtermittel in Verkehr bringt, muss als Futtermittelunternehmer registriert sein. Das European Biochar Certificate stellt an Futterkohle besonders strenge Anforderungen: nur reine Pflanzenbiomasse, eine höhere Pyrolysetemperatur und niedrige Grenzwerte für PAK, Schwermetalle und Dioxine. Ab 2027 heißt diese Klasse EBC-FeedPlus.

Ein Vorteil der Futterqualität: Pflanzenkohle, die für das Futter zugelassen ist, darf anschließend in Einstreu, Mist, Biogasanlage und Boden weiterwirken. So entsteht eine Kaskade, die im Beitrag zu Pflanzenkohle in Mist und Gülle beschrieben ist.

Hinweise für die Praxis

  • Niedrig dosieren, etwa 0,5 bis 1 Prozent der Ration, und gezielt in Problemphasen einsetzen.
  • Nur Pflanzenkohle in Futterqualität von registrierten Herstellern verwenden.
  • Die Wirkung im eigenen Betrieb beobachten, am besten im Vergleich mit einer Kontrollgruppe.
  • Mit Tierarzt und Fütterungsberatung abstimmen.

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Sie möchten Pflanzenkohle in Ihrem Betrieb oder Ihrem Produkt einsetzen? Wir beraten Sie zu Qualität, Körnung und Menge und stellen Muster bereit. Nutzen Sie gern unser Kontaktformular oder fragen Sie direkt Pflanzenkohle im XXL-Big-Bag an.

Häufige Fragen kurz beantwortet

Eignet sich Futterkohle für Rinder, Schweine und Geflügel?

Versuche gibt es für alle drei Tierarten. Die üblichen Mengen unterscheiden sich: beim Rind meist 100 bis 400 Gramm pro Tag, bei Schwein und Geflügel 0,2 bis 1 Prozent der Ration.

Sollte Pflanzenkohle dauerhaft gefüttert werden?

Am besten belegt ist der gezielte Einsatz in kritischen Phasen, etwa rund um das Absetzen von Ferkeln. Eine Dauerfütterung ohne konkreten Anlass ist nicht nötig.

Darf ein Ökobetrieb Pflanzenkohle füttern?

Ob und wie Pflanzenkohle im ökologischen Landbau gefüttert werden darf, regeln die Vorgaben der Öko-Verordnung und der Verbände. Klären Sie das vorab mit Ihrer Kontrollstelle.

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